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Winfried Bullinger "SEQUENCE No. 2" Winfried Bullinger, Wolfgang-Petrick-Meisterschüler, zeigt zahlreiche neue grossformatige Photoarbeiten, die er in Ruanda, Äthiopien und Peru mit der Grossbildkamera aufgenommen hat. Der Prozess geht über Stunden, es handelt sich um Sequenzen, die weg von der reinen Dokumentation eine intensive Auseinandersetzung mit Licht und Schatten, mit der Geschichte, der Zeit, der Bewegung und den Strukturen der Landschaften zeigen. Bullinger stammt aus der Malerei und hat in den letzten Jahren einen wichtigen Stellenwert in der Schwarz/Weiss-Photografie eingenommen. Dr. Elmar Zorn hat am Abend der Eröffnung in das Werk Winfried Bullingers eingeführt:
![]() Mit einer Subtilität der Grauabstufungen, die ihresgleichen in der zeitgenössischen Fotographie sucht, hat Winfried Bullinger die Aufmerksamkeit der Kunstwelt erregt. Gleich, ob er Wüstendörfer in Afrika, Regenwaldlandschaften in Peru, Felshöhlen in Griechenland oder Trümmerfelder in Berlin in seinen Aufnahmen bannt, es gelingen ihm Vergegenwärtigungen einer Raumsuggestion, die fern bekannter dokumentarischer Methoden einen solchen Typus von Künstlerfotographie setzen, wie dies seit der Bauhaus-Fotographie etwa eines Maholy Nagy nicht mehr in dieser Leichtigkeit bei der Entfaltung der eigene Mittel und ohne jeden Anflug von Selbstreferenzialität wahrzunehmen war. ![]() Lediglich einige Vertreter heutiger russischer Fotografie, etwa des Moskauer Fotografen Vadim Guschtschins Stillleben, kommen Bullingers Ernsthaftigkeit und seiner Tiefe noch am nächsten. Aus anderen Ländern, von den USA bis nach China, sehen wir in der Mehrheit eher zu verspielte, zu plakative oder zu pathetische Auseinandersetzungen mit der Objektwelt im Fall der Schwarz-Weiß-Fotographie. ![]() Wie Bullinger mit der Kamera ein von steilen Bergen eingerahmtes Gletscher-Hochtal in dessen geographischer Morphologie gesamthaft so erfasst, dass die winzigen Punkte der Hochtalgänger dennoch keine menschlichen Ameisen werden, vermochten außer ihm nur noch die Düsseldorfer Fotokompositoren, allen voran Andreas Gursky, in Szene zu setzen. ![]() Bullingers Blicke auf und in Höhlen geben der vermeintlichen Banalität dieser touristisch ausgeloteten und vernutzten Orte ihre ursprüngliche Magie und ihren mythischen Schauer zurück, indem ihre unmittelbare Umgebung in der Aufnahme Stein für Stein abtastbar wird. In solchen Werken ist Greifbarkeit aufgeladen in einem Maße, dass von der Realität des Wahrgenommenen kein abstraktes Abbild mehr entstehen muss, weil sie eine eigene und neue Realität in der Fotographie erhalten hat, und dies in völliger, detailfreudiger Objekttreue. Manche Sequenzen der Bergfilme der 20 er und 30er Jahre des Regisseurs Arnold Fanck und manche völkerkundlichen Filme aus der gleichen Zeit wie, der ethnische Spielfilm „Tabu“ von Murnau, sind von einem vergleichbaren zauberischen Geist geprägt. Da gelangen die Beschwörung und die Berührbarkeit der Natur in einer Direktheit, die geradezu atemberaubend war und heute trotz überlegender neuer technischer Mittel nicht getoppt werden konnte. Auch deswegen, weil solche Aufnahmen eben nicht als Dokumentation funktionieren, sondern Kunst sind. Und wie alle wahre Kunst liegt ihr Assoziations und Emotionsfeld nahe bei erotischen Wahrnehmungsmechanismen. Hier sehe ich die Stärke von Bullingers Fotographie: in der sinnlichen Dichte des Abgebildeteten, seinem Vermögen, durch die Dimensionen der Bildausschnitte und die feine Differenzierung im Herbeiholen von Ferne und Nähe das Abgebildete mittels ihrer Tonigkeit zu verkörperlichen. Elmar Zorn (Der Autor ist Austellungskurator, Kunstpublizist und Universitätsdozent. Er lebt in München und Wien) |